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75 Jahre Handball in Bremervörde: Besondere Begegnungen gegen Top-Clubs der Ostblockstaaten ab 1975


BREMERVÖRDE. 2021 ist das Jahr des 75-jährigen Bestehens der Handballabteilung des TSV Bremervörde. Anlass für eine Rückschau auf die höhepunktreiche Geschichte der in Bremervörde von Beginn an populären Sportart. Heute: die ab Mitte der 1970er Jahre bis zum Fall des Eisernen Vorhangs nahezu jährlich zu Jahresbeginn ausgetragenen Partien gegen Spitzenclubs aus unterschiedlichen Ostblockstaaten.

Hallenhandballschlagerspiel erfüllte alle Erwartungen“, Hallenhandball in Vollendung“, „Eine Supermannschaft spielt in Superlaune“, … Auch wenn ein erstes Spiel gegen ein tschechoslowakisches Team bereits 1960 stattgefunden hat: Sportinteressierte Leser der BREMERVÖRDER ZEITUNG konnten ab 1975 im ersten Quartal nahezu jeden Jahres sicher sein, dass der Bremervörder Männer-Handball auch außerhalb der herkömmlichen Meisterschafts- und Pokalwettbewerbe in der Landes-, Verbandsoder Oberliga Schlagzeilen lieferte – wenngleich auch durch das wohl nicht unerhebliche Zutun der Gegner.
Diese hießen 1975 Stal Mielec (Polen), 1977 Tatabanyai Banyasz SC (Ungarn, 1979 Gegner des VfL Gummersbach in dem Europokal-Spiel, bei dem sich Nationalspieler Joachim „Jo“ Deckarm schwer und folgenreich verletzte), 1978 Hutnik Krakow (Polen), 1980 und 1981 Volan Szeged (Ungarn, heute Pick Szeged SC, regelmäßiger Champions-League-Teilnehmer), 1982 Elektromos Budapest (Ungarn), 1985 Lokomotive Trnava (CSSR), 1986 Zeljesznicar Sarajevo (Jugoslawien) oder 1988 etwa Minaur Baia Mare (Rumänien).

Spiele als Straßenfege


Sie alle reisten üblicherweise mit fünf oder mehr international etablierten Nationalspielern an, lockten zu dem Kräftemessen mit den TSV-Handballern selten weniger als 500 Zuschauer in die erst Ende August 1974 eingeweihte Kreissporthalle Tetjus-TügelStraße und sorgten somit für eine „volle Hütte“. „Die Spiele waren anfangs richtige Straßenfeger. 13, 14 Jahre später aber verblasste der Reiz, das Zuschauerinteresse ließ leider nach“, erinnert sich Jens Janssen. Als langjähriger Erste-Herren-Spieler bestritt er einen Teil dieser Partien ab 1980, sein Vater Reinhard Janssen war von 1971 bis 1981 Vorsitzender der Handballabteilung und somit in die Organisation eingebunden.
Wie kam es, dass am 5. Januar 1975 ein Team wie der polnische Vize-Meister Stal Mielec in Bremervörde Station machte und den Auftakt dieser Reihe internationaler Spiele markierte? „Es gab in Bremervörde jemanden, ‚Jockel‘ Böttjer, der sich im Umfeld des Handballs tummelte und Kontakt zu einem Spielevermittler hatte. Meines Wissens hat er das erste Spiel damals auf den Weg gebracht“, sagt Dieter Mehnert.
Mehnert stand 1975 und auch in den Partien der darauffolgenden Jahre bis zur Beendigung seiner aktiven Handballzeit Mitte der 1980er Jahre zwischen den Pfosten der Ersten Herren. Die mit mehreren Testbegegnungen im norddeutschen Raum verbundenen Reisen in den Westen, so Mehnert weiter, hätten den Teams allgemein wohl die Möglichkeit geboten, hohe Handballkunst und Aufwand bei freier Kost und Logis gegen harte West-Währung zu tauschen oder aber in ihren Heimatländern vermutlich nur schwer erhältliche West-Güter in Aussicht gestellt zu bekommen.

Zeit des Kalten Krieges

Auch wenn die handelnden Akteure die Bedeutung eines Handballspiels gegen ein Team aus dem Ostblock vor diesem Hintergrund politisch gewiss nicht allzu bedeutungsschwanger aufgehängt wissen mochten: Es war die Zeit des Kalten Krieges – wenngleich die Zeichen mit der sozialliberalen Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt auf Entspannung standen. „Ich kann mich auf jeden Fall daran erinnern, das zwei Spieler von Stal Mielec bei uns zu Hause zu Gast waren und mitgegessen haben. Ich war nicht ganz 13 Jahre alt. Der Austausch klappte mit Händen und Füßen einigermaßen. Sie waren sehr nett und schenkten mir zum Dank ein Trikot der polnischen Nationalmannschaft. Das habe ich noch jahrzehntelang aufbewahrt“, sagt Jens Janssen.
Dieter Mehnert lief schon während seiner Zeit als Spieler des TV Geestenseth/Wesermünder SG (1967 bis 1972) als Torhüter der Bremer Landesauswahl unter Trainer Hinrich „Hini“ Schwenker (76-maliger Nationalspieler, fünffacher WM-Teilnehmer) in der Bremerhavener Stadthalle vor bis zu 1000 Zuschauern gegen Vereinsmannschaften wie Dukla Prag (in den 1960er Jahren viermaliger Finalist des Landesmeister-Cups) auf.
„Ob in Bremerhaven oder Bremervörde – wir haben nie richtige Klatschen gekriegt. Die Mannschaften haben das aber auch clever gemacht und uns bis zu einem gewissen Grad mitspielen lassen, weil das ansonsten ja auch für die Zuschauer zu einseitig und somit langweilig geworden wäre. Dann aber haben sie irgendwann wieder gezaubert und ein Kempa-Tor nach dem anderen erzielt. Alle wussten: Wenn es drauf ankommt, können die mindestens noch eine Schippe drauflegen. Aber egal: Für uns Spieler waren diese Partien Auszeichnungen", blickt Mehnert zurück.

Zur Person

Dieter Mehnert war von 1955 bis 1965 Jugendspieler des TSV Bremervörde. Von 1965 bis 1967 verbrachte er seine Bundeswehrzeit in Aachen, von 1967 bis 1972 war er Herrenspieler des TV Geestenseth/Wesermünder SG und Auswahlspieler des Bremer Handballverbandes. Er erhielt ein Angebot des in die Bundesliga strebenden TV Grambke-Bremen, was Mehnert aus beruflichen Gründen aber „schweren Herzens“ ablehnte.
Nach Ende der aktiven Handballzeit war der frühere Verwaltungsdirektor/Geschäftsführer der AOK Bremervörde-Rotenburg ehrenamtlich bis vor cirka zehn Jahren aktiv als Sponsorenbetreuer des TSV in der Regional- und Zweiten Bundesliga und zuvor (bis Mitte der 1990er Jahre) 20 Jahre Pressewart der Handballabteilung, Betreuer der ersten Herrenmannschaft und Hallensprecher.

 

Quelle: Bremervörder Zeitung vom 17.04.2021

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