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31. Mai 2018 Venezianischer Krimi im Ruderboot

Für die Wanderruderer des TSV Bremervörder stand über Pfingsten ein besonderer Leckerbissen auf dem Programm: Sie nahmen in Venedig an der 44. Volalonga, teil.

Ursprünglich war die 30 Kilometer lange Regatta rund um die Inselgruppe eine Protestveranstaltung der Venizianer gegen die Wasserverschmutzung und Zerstörung ihrer Stadt durch z.B. große Kreuzfahrtdampfer. Heute ist sie ein „Kultevent“ in der Wassersportszene. Die begehrten Plätze waren schnell weg, aber die Bremervörder konnten für insgesamt 9 Ruderer Startberechtigungen ergattern.
Mit Ruderern aus Regensburg und Straubing hatten sich die neun Bremervörder zusammengetan, um das Transportproblem zu lösen: Vom Regensburger Ruderverein wurden die breiten Wanderruder- Boote per Auto und Hänger nach Venedig transportiert. So konnten die Bremervörder Teilnehmer am Freitag in zwei Gruppen per Flugzeug nach Venedig reisen.
Der Samstagvormittag stand noch im Zeichen der touristischen Stadterkundung, doch bei annähernd 10 Millionen Gästen, die Venedig jährlich beherbergt, hieß das sich mit den Massen durch die Stadt zu schieben. Am Samstagnachmittag wurden dann die insgesamt 8 Booten vom Hänger geladen und aufgeriggert, also zusammengebaut. Mit den Booten „Fürstin Gloria“ und „Albert Magnus“ ruderten die Bremervörder erstmals auf dem Wasser der Lagune und damit begann das Abenteuer „Volalonga“: Die Taxiboot- und andere Motorbootfahrer schienen sich an diesem Abend einen besonderen Spaß daraus zu machen, mit vollem Tempo über die Wasserstraßen zu jagen und knapp vor den Ruderbooten zu kreuzen. Mehrfach schwappte Brackwasser der Lagune über den Bootsrand ins Innere. „Gut, dass morgen alle motorbetriebenen Boote nicht fahren dürfen“, dachte da manch ein Ruderer insgeheim.
Am Sonntag früh ging es endlich zur Startlinie direkt vor dem Markusplatz. Über den Canal Grande, hinaus aus Venedig, vorbei an den Inseln Vignole und Sant'Erasmo führte die 30 Kilometer lange Strecke zur Insel Burano, knickte dort nach links ab und führte nach längerer Fahrt auf der Lagune durch den Kanal der Glasbläserinsel Murano und zurück nach Venedig, unter der prächtigen Rialto-Brücke hindurch bis hin zum Markusplatz. Punkt neun Uhr donnerte ein mächtiger Kanonenschuss und circa 2000 Boote jeder Art mit rund 8000 Sportlern aus aller Herren Länder setzten sich in Bewegung. Sogar die australische Flagge wurde gesichtet. Noch war das Wasser ruhig und die Sicht auf die Stadt herrlich.
Dass diese Tour nicht nur einen einmaligen Blick auf Kulisse der Stadt eröffnete, sondern eine echte sportliche Herausforderung war, wurde aber schnell deutlich: Sommerliche Temperaturen bis 26 Grad, ein wolkenloser Himmel und Windstärke 3-4 forderten das ganze Können der Ruderer. Die vielen kleineren und wendigeren Boote, die plötzlich vor dem Bug auftauchten, oder aber heranpreschende Rennboote verlangten die volle Konzentration der Steuerleute. Das Kommando „Stopp!“ ertönte häufig und musste wirklich sofort von den Ruderern ausgeführt werden, um Zusammenstöße zu verhindern. Hohe Wellen und hoffnungslos von Booten verstopfte Kanäle forderten ihren Tribut von Sportlern und Material: Das Steuer der „Albert Magnus“ brach und das Ruderboot musste mit dem Stechpaddel, das nur für Notfälle mitgeführt wird, gesteuert werden.
Mit Applaus belohnt wurden die Sportler von den Zuschauern auf den Brücken und Plätzen entlang der Strecke und besonders im Zielbereich. Angeblich waren die ersten Boote schon nach 2 Stunden wieder zurück am Markusplatz. Das erste Bremervörder Boot, die „Fürstin Gloria“, benötigte ca.3,5 Stunden, für die Strecke. Die havarierte „Albert Magnus“ überquerte erst zwei Stunden später das Ziel
Doch damit war der Tag nicht vorbei, denn natürlich mussten die Boote noch zurück zum Stellplatz gerudert, abgeriggert und wieder reisefertig verladen werden. Ein langer Tag klang mit einem gemeinsamen Restaurantbesuch der Bremervörder, Regensburger und Straubinger Ruderer aus. Erschöpft, aber stolz diesen „venezianischen Krimi“ gelöst zu haben, reisten die neun Ruderer und mitgereiste Familienangehörige am Montag nach Bremervörde zurück.

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